Wie kam es denn dazu?
Viele Urlaubsreisen auf See, und jedesmal wieder die schwierige Planung: was kochen wir? Welche Lebensmittel kann ich frisch mitnehmen, welche Konserven, was sollte ich noch in Deutschland kaufen, und wieviel davon? Was koche ich bei Seegang?
Mit der Zeit wurden wir erfahrener bei der Planung, und schließlich wurde ein Kochbuch für Seereisen daraus. Und wenn man dann noch eine Grafikdesignerin als Cousine hat, wird es auch ein schönes Buch.
Es ist verrückt...
Das Buch wurde 2010 verlegt, den Verlag "book on demand" gibt es inzwischen nicht mehr und das Buch war praktisch bereits ausverkauft. Ich habe mich aus Neugier auf die Suche gemacht, einmal auf dem Hängeboden und einmal im Internet. Beide Male bin ich fündig geworden.
Restbestände auf dem Hängeboden...
Auf dem Hängeboden habe ich eine Kiste mit den wirklich letzten Expemplaren gefunden. Insgesamt sind es noch zehn Stück, die übrig geblieben sind.
Eine grosse Freude, denn kaum erzählte ich davon und zeigte ein Exemplar herum, waren schon die ersten Anfragen da. Der Freund, Schwager, Onkel segle viel und das Buch wäre ein ideales Weihnachtsgeschenk.
Und schon waren es nur noch sechs Exemplare.
Aber vor allem sind es viele Erinnerungen, die in dem Buch stecken!
Das Kochbuch gebraucht kaufen...
Eine Suche im Internet hat mir gezeigt, mein Buch gibt es noch, zumindest gebraucht, aber allerdings zu sehr unterschiedlichen Preisen.
Im Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB.com), wird es für über 170 €uro angeboten. Ich war schon ein bisschen stolz!
Das war immerhin günstiger als Angebote auf eBay!
Ein Freund jedoch zeigte mir dann, dass man es auch noch zu einem ziemlich fairen und günstigen Preis von rund 26 €uro auf Amazon bestellen kann.
Labskaus
Haben wir immer wieder gerne gegessen!
Gilt als das seemännische Standardgericht schlechthin. Das könnte einen mehr als mißtrauisch machen, und es sieht erstmal ganz schrecklich nach rosa Pampe aus – aber ich kann euch versichern, es ist wirklich gut!
Zutaten
2 Zwiebeln
1 Dose Corned beef (300 g)
Kartoffeln (oder Fertig-Püree)
Salz, Pfeffer, Muskat
Saure Gurken
4 Eier
optional: Rote Beete (Glas)
4 Heringsfilets (Bismarck
oder Matjes)
Zubereitung
Zwiebeln würfeln und goldgelb anbraten, das gewürfelte
Corned Beef zugeben und vorsichtig braten, bis es
zerfällt. Mit Salz und Pfeffer kräftig abschmecken.
In der Zwischenzeit das Kartoffelpüree zubereiten,
Gurken würfeln, Rote Beete in Scheiben schneiden.
Das gebratene Fleisch mit dem Püree vermischen,
nach Geschmack etwas Rote-Beete-Saft und Muskat
zufügen.
Auf den Tellern anrichten, mit Gurken, Roten Beeten
und Hering umlegen. In der Zwischenzeit muss eine
zweite helfende Hand die Spiegeleier braten, mit denen
dann der rosa Haufen zugedeckt wird.
Geschichtchen aus der Bordküche - nicht immer klappt alles problemlos
Die Käsekiste
Irgendwann hatten wir ganz erfolgreich ausprobiert, dass man Käse – verpackten Käse meine ich, von Harzer über Camembert bis Roquefort – gut außerhalb des Kühlfachs aufbewahren kann; zu kalt ist gar nicht so gut. Das angegebene Verfalldatum ist bei Käse gar kein Verfalldatum, sondern der voraussíchtliche Zeitpunkt der Genussreife. Also eine gut schließende Plastikbox wie Tupper o.ä. , und ab in die Bilge, möglichst weit weg vom Motor. Diese Methode hat sich bei verschiedenen Reisen bewährt, außer einmal:
Ich glaube es war das Jahr mit der Fußballweltmeisterschaft, also 2006. Ein besonders schöner Sommer im Ostseeraum. Das Wasser war auch etwas wärmer als sonst.
Wir waren in Danzig gewesen, dann in Estland und Lettland, das Wetter war schön und wir hatten noch etwas Zeit, mal einen der weniger bekannten Häfen in Polen anzulaufen, Leba. Ein Flusshafen, Touristenzentrum für Einheimische. Es war nett, ganze Familien und halbe Schulklassen mit Gummitieren und Luftmatratzen zum Strand pilgern zu sehen.
Was uns allerdings arg störte, war der Schwell, der abends einsetzte, und am Morgen sahen wir die Bescherung: in der Hafeneinfahrt stand eine so hohe auflandige Welle, dass an ein Auslaufen überhaupt nicht zu denken war. Wir waren festgenagelt. Die Sonne schien, draußen der schönste halbe Wind für die Heimfahrt, aber Auslaufen hätte schlicht Schiffbruch bedeutet.
Na was soll‘s. (Meine Mutter, die für ihre Sprüche berühmt war, sagte in solchen Fällen: „Mit Gewalt ist kein Bulle zu melken“). Also: Kleiner Rundgang im Ort, leckere frische Himbeeren gekauft, und dann nimmt man sich eben was vor, was schon lange fällig ist. Denn bei der letzten Öffnung der Käsekisten, eine gute Woche zuvor, war uns der Geruch schon aufgefallen.
Neben dem Boot auf dem Kai stand ein Picknicktisch, die typische Konstruktion mit Tischplatte und zwei Bänken, unten verschwertet, alles ein Stück.
Man stelle sich die Szene also folgendermaßen vor: Sonne, frischer Sommerwind, 2 Frauen mit Sonnenbrillen, T-Shirts und Gummihandschuhen, auf dem Tisch die beiden noch verschlossenen Käsekisten, viel Küchenpapier, eine Schüssel mit heißem Wasser und Spülbürste sowie 2 Gläser, Himbeeren und eine Flasche Sekt.
Erstmal einen Schluck Bowle, und dann haben wir die Kisten geöffnet. Dabei war es günstig, dass der Wind so frisch war… Der Harzer war der beweglichste; er hatte sich gänzlich aus den Fesseln seiner Verpackung gelöst und umschmeichelte seine Kollegen. Den konnte man nicht mehr retten, nur noch wegputzen. Die anderen – und es war noch reichlich übrig - haben wir nach dem Abputzen in ihre Form zurückgeknetet; die Kühlbox war ja auch nicht mehr sehr voll, und dort behielten sie ihre Form denn auch. Renate und ich haben beide mal gekostet, aber wir sind ja nicht so für strenge Käse – also keinen zweiten Happen mehr --, der Skipper aber hat geschwelgt. Obwohl er noch zwei Wochen nach Ende der Reise in Berlin aus dieser Käsekiste essen musste, blieb er dabei: er hätte noch nie so guten würzigen Käse gegessen.
Rolling home
Kennt Ihr „rolling home“ vor dem Wind? Im Kanal und auf der Nordsee keine untypische Wettersituation. Toll, man kommt gut voran und möchte auch an der flachen belgischen, holländischen oder ostfriesischen Küste lieber gar keinen Hafen anlaufen.
So ganz gemütlich ist es natürlich nicht. Das Boot rollt extrem weit nach jeder Seite.
Alle Vorratsschapps sind schon halb leer. Rumms --- rummms -- das sind die Konservendosen in den Fächern genau unter der Pilotenkoje, wo ich grade meine Freiwache beginnen will. Zwei Sofakissen reinstopfen, in jedes eins.
Kla-kling – kla-klank kla-klink – das sind die Weinflaschen im Karton unter dem Tisch. Ich schmeiße meine Schuhe hinein.
Kr-kr-kklirr… kr.. klirr krach – das sind die Gläser im Spind neben dem Mast. Oft haben wir geglaubt, im Hafen müssen wir nur noch Glasmehl dort ausfegen. Tatsächlich ist fast nie etwas kaputtgegangen. Aber sie machen Krach für drei! Es liegen noch ein paar Mützen und Schals herum, ich turne über den Tisch und stopfe sie hinein. Wird ja schon besser…
Das Geräusch des Ankers am Vorsteven blende ich aus, es ist ja auch bisschen weiter weg.
Jetzt höre ich ‚roink … roink’, weiter achtern irgendwo in der Pantry. Ach ja, das sind die runden Holzbrettchen, die rollen hin und her. 2 Topflappen genügen.
Und noch ein paar Reserve-Schwämmchen in das Fach mit Essig, Öl und Gewürzen, --- schon kann ich schlafen.
Volle Schapps sind wirklich leiser!
Da fällt mir auch ein Film ein, den segelnde Kollegen bei der Atlantiküberquerung gemacht haben. Normalerweise sehen diese Amateurfilme ja so aus, dass man ewig lang eine Fock sieht und einen Bug, der in die Welle eintaucht und wieder hochkommt und wieder eintaucht usw. usw.… Nee, die hatten eine andere Idee: Kamera innen in der Kajüte fest montiert in Fahrtrichtung, mit Blick auf den Mast, und die Bücher in dem Regal rechts und links daneben machen ‚klapp klapp klapp’ nach links und wieder ‚klapp klapp klapp’ nach rechts und wieder... es hat wohl nicht lange gedauert, bis die ersten Zuschauer hinausgehen mussten.
Naja, jedenfalls ist es im Hafen spannend, was man wo wiederfindet.